Was ist XRechnung?
XRechnung ist der deutsche Standard für elektronische Rechnungen an öffentliche Auftraggeber. Es handelt sich um eine reine XML-Datei — ohne visuelle Darstellung, ohne PDF, ohne menschenlesbare Komponente. Die Daten liegen vollständig strukturiert vor.
Technisch basiert XRechnung auf der europäischen Norm EN 16931 und definiert eine deutsche CIUS (Core Invoice Usage Specification). Das bedeutet: XRechnung übernimmt das semantische Datenmodell von EN 16931 und ergänzt es um deutsche Geschäftsregeln (BR-DE). Dazu gehören etwa die Leitweg-ID für B2G-Rechnungen, Bankverbindung und Zahlungsbedingungen.
XRechnung unterstützt zwei XML-Syntaxen: UBL 2.1 (Universal Business Language) und UN/CEFACT CII (Cross-Industry Invoice). Beide sind gleichwertig gültig. Die Validierung erfolgt über XSD-Schemata und Schematron-Regeln — über 30 Einzelprüfungen allein für die deutschen Geschäftsregeln.
XRechnung auf einen Blick
- Format: Reine XML-Datei (UBL oder CII)
- Standard: EN 16931 + deutsche CIUS (BR-DE)
- Pflicht: B2G seit 2020 (Bund), seit 2024 für alle Länder
- Aktuelle Version: XRechnung 3.0
Was ist ZUGFeRD?
ZUGFeRD (Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland) ist ein Hybridformat. Es kombiniert ein PDF/A-3-Dokument mit einer eingebetteten CII-XML-Datei. Der Empfänger sieht ein normales PDF — die maschinenlesbaren Daten stecken unsichtbar darin.
ZUGFeRD 2.3 definiert vier Profile, die sich im Umfang der strukturierten Daten unterscheiden:
- Minimum: Nur Basisdaten (Rechnungsnummer, Datum, Summen). Reicht nicht für automatische Verarbeitung.
- Basic: Positionsdaten enthalten. Geeignet für einfache Automatisierung.
- EN16931: Vollständige EN 16931-Konformität. Gesetzlich anerkannt für die E-Rechnungspflicht.
- Extended: Alle EN 16931-Felder plus zusätzliche Branchenfelder. Ebenfalls gesetzeskonform.
Wichtig: Nur die Profile EN16931 und Extended erfüllen die Anforderungen des Wachstumschancengesetzes. Minimum und Basic reichen nicht.
XRechnung und ZUGFeRD im Vergleich
Die Kernfrage beim XRechnung ZUGFeRD Unterschied ist: reines XML oder Hybrid-PDF? Diese Tabelle fasst die wesentlichen Unterschiede zusammen:
| Kriterium | XRechnung | ZUGFeRD 2.3 |
|---|---|---|
| Dateiformat | Reine XML-Datei | PDF/A-3 mit eingebettetem XML |
| XML-Syntax | UBL 2.1 oder CII | Nur CII |
| Menschenlesbar | Nein (nur maschinell) | Ja (PDF-Ansicht) |
| B2G-tauglich | Ja (Pflichtformat) | Nur Profil EN16931 mit XRechnung-Extension |
| B2B-tauglich | Ja | Ja (bevorzugt) |
| Validierung | XSD + Schematron (BR-DE) | XSD + Schematron + PDF/A-Prüfung |
| Dateigröße | Klein (wenige KB) | Größer (PDF + XML) |
| Weiterverarbeitung | Direkt automatisierbar | XML extrahieren, dann verarbeiten |
ZUGFeRD oder XRechnung? Die Entscheidungshilfe
Die Wahl hängt von drei Faktoren ab: Empfänger, Unternehmensgröße und bestehende Systeme.
XRechnung wählen, wenn…
- Sie Rechnungen an öffentliche Auftraggeber stellen (Bund, Länder, Kommunen). XRechnung mit Leitweg-ID ist hier Pflicht.
- Ihre Empfänger automatisierte Verarbeitung erwarten und kein PDF benötigen.
- Sie bereits ein ERP-System nutzen, das UBL oder CII nativ exportiert.
- Maximale Interoperabilität im europäischen Raum wichtig ist (EN 16931 CIUS wird EU-weit akzeptiert).
ZUGFeRD wählen, wenn…
- Ihre Empfänger eine visuelle Rechnung erwarten — typisch im Mittelstand und bei KMU.
- Sie den Übergang schrittweise gestalten wollen: Das PDF sieht aus wie bisher, die strukturierten Daten kommen automatisch mit.
- Ihr Rechnungsprozess auf PDF-Versand per E-Mail basiert und Sie möglichst wenig ändern wollen.
- Sie B2B-Rechnungen an kleine Empfänger stellen, die noch kein E-Rechnungssystem haben.
Entscheidungsmatrix nach Unternehmensgröße
| Szenario | Empfehlung |
|---|---|
| Freelancer / Einzelunternehmer | ZUGFeRD EN16931 — Empfänger sieht PDF, Sie erfüllen die Pflicht |
| KMU, nur B2B | ZUGFeRD EN16931 — Minimaler Umstellungsaufwand, hybrides Format |
| KMU mit B2G-Anteil | Beide: XRechnung für Behörden, ZUGFeRD für B2B |
| Mittelstand / Konzern | XRechnung als Standard — volle Automatisierung, ERP-Integration |
| Branche mit Sonderfeldern | ZUGFeRD Extended oder XRechnung mit Extension — je nach Empfänger |
Beide Formate gleichzeitig nutzen
Die Frage „ZUGFeRD oder XRechnung" ist kein Entweder-oder. Viele Unternehmen setzen beide Formate parallel ein:
- XRechnung für B2G: Öffentliche Auftraggeber verlangen XRechnung mit Leitweg-ID. Kein Weg daran vorbei.
- ZUGFeRD für B2B: Geschäftspartner bekommen ein PDF, das sie öffnen und lesen können — plus maschinenlesbare Daten für die automatische Verarbeitung.
Technisch ist das kein Problem: Beide Formate nutzen dasselbe semantische Datenmodell (EN 16931). Die Rechnungsdaten sind identisch — nur die Serialisierung unterscheidet sich. Ein System, das beides kann, braucht die Daten nur einmal und generiert daraus das gewünschte Format.
Fazit: XRechnung vs ZUGFeRD — die richtige Wahl treffen
Es gibt kein „besseres" Format. XRechnung und ZUGFeRD sind zwei Wege zum selben Ziel: gesetzeskonforme E-Rechnungen nach EN 16931.
- XRechnung ist das Pflichtformat für B2G und die erste Wahl für vollautomatisierte Prozesse.
- ZUGFeRD ist der pragmatische Weg für B2B — besonders wenn Empfänger noch ein lesbares PDF erwarten.
- Beide zusammen decken alle Szenarien ab. Investieren Sie in ein System, das beides kann.
Die Versandpflicht greift ab 1. Januar 2027. Wer sich jetzt für eine Lösung entscheidet, die beide Formate unterstützt, ist für B2G und B2B gleichermaßen aufgestellt.
Sind Sie ab 2027 zur E-Rechnung verpflichtet?
Der kostenlose E-Rechnung-Pflichtcheck klärt Ihren Status in wenigen Minuten — unverbindlich und ohne Anmeldung.
Zum E-Rechnung-PflichtcheckDas könnte Sie auch interessieren
E-Rechnung an Behörden (B2G) — Leitweg-ID, ZRE/OZG-RE & die schon aktive Pflicht
Wer an die öffentliche Hand liefert, muss schon seit dem 27.11.2020 elektronisch rechnen — eine andere Pflicht als die B2B-Welle 2027. Praxis-Guide zur Leitweg-ID (Pflichtfeld BT-10), zu ZRE vs. OZG-RE, zu Weberfassung vs. Upload vs. Peppol und zur 1.000-€-Ausnahme.
Weiterlesen E-RechnungE-Rechnung per API — selbst bauen oder Schnittstelle nutzen? Der Build-vs-Buy-Guide
Aus "wir erzeugen halt das XML" werden zwei Syntaxen (UBL 2.1 + UN/CEFACT CII), ~200 Geschäftsregeln plus deutsche CIUS, KoSIT-Validierung, ein Peppol-Übertragungsweg und laufende Versionspflege. Der ehrliche Build-vs-Buy-Guide für Entwickler und technische Entscheider: der wahre Selbstbau-Aufwand, die Entscheidungstabelle, die API-Integration in ERP/Shop — und wann Selbstbau trotzdem die richtige Wahl ist.
Weiterlesen E-RechnungE-Rechnung in der Arztpraxis: Empfangspflicht seit 2025 trotz USt-Freiheit
Arztpraxen müssen seit 01.01.2025 E-Rechnungen empfangen — trotz USt-Freiheit nach § 4 Nr. 14 UStG. Patientenrechnungen bleiben B2C, Sendepflicht trifft nur echte B2B-Umsätze. Mit Checkliste und GoBD-Workflow.
Weiterlesen